Winnenden Amoklauf – Klischee ist jetzt schuld?

Der Vorfall von Winnenden ist ja nun jedem Nachhaltig durch Funk und Fernsehren bekannt. Jetzt geht es an die Aufarbeitung und an die Ursachenforschung an sich. Politik und Medien greifen jetzt wieder in die tiefe Klischeekiste. Hier wird jetzt diskutiert, ob sogenannte Killerspiele oder Ego-Shooter an diesen Amokläufen schuld sind. Ich denke, es gibt noch weitere wichtige Ansatzpunkte. Für micht stellt  sich in erster Linie die Frage, wie kommen Amokläufer an Waffen und Munition? Warum sind Waffen in daheimgebliebenen Waffenschränken nicht gesichert? Ich bin über diesen weiteren Amoklauf tief bestürzt und kann es wirklich kaum fassen.

Spuren

Interessant, wie ich finde, ist auch die Kommunikationstrategie, die im Fall Winnenden von den Medien an den Tag gelegt wird. Ursprünglich hieß es, dass Tim seinen Amoklauf mit Austragungsort Winnenden in einem Chat bekannt gegeben hätte.  Gestern Abend dann das Dementi. Auf dem Computer von Tim sollten jetzt auf einmal doch keine Spuren hinsichtlich Chat vorhanden sein. Es soll aber zwei Zeugen geben, die diesen Eintrag gesehen haben sollen. Die Serverbetreiber dieser Chatinstanz behaupten derweil, dass es sich hierbei um eine Fälschung handeln soll.

Motiv

Welches Motiv Tim zu diesem Amoklauf in Winnenden getrieben hat, ist derweil noch unklar. Klar ist aber, dass Tim isoliert und wohl auch gemobbt seine Freizeit mit den bereits angesprochenen Ego-Shootern und wohl auch mit Horrorfilmen verbracht haben soll.

Fazit

Ich denke, dass hier nicht nur die angesprochenen Klischees an diesem Amoklauf schuld tragen, sondern vielmehr ist es wohl ein großes Puzzle, was Jugendliche zu einem Amoklauf treiben. Mobbing, Ausgrenzung, Isoliation und wohl auch familiäre Probleme könnten Teile so eines Puzzles sein. Hier sind Therapeuten und die dazugehörigen Instanzen gerfagt. Da reicht es eben nicht, verschlüsselte Durchsagen in die Klassenzimmer zu senden oder evtl. Notfallpläne zu erarbeiten.

Ein weiterer interessanter Blogeintrag ist bei Uli dokumentiert.

Bookmarke diesen Post:
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • Technorati
  • Wikio
  • Yigg
  • Blogosphere News

Ich schreibe gerne über Gadges, Fotografie und den allgemeinen WWW-Wahnsinn!  Weiterhin findest Du in loser Reihenfolge Posts bei den Fotoburschen von mir. Ich bin einer von den Dreien... :-)


Beiträge mit ähnlichen Tags:

  • No Related Post

4 Kommentare to “Winnenden Amoklauf – Klischee ist jetzt schuld?”

  1. ThomasNo Gravatar meint:

    Verhindern lassen sich solche Taten leider nicht zu 100%. Und die Schuldzuweisung größtenteils einer Software zu geben halte ich für zu billig. Auch die Mitgliedschaft in einem Schützenverein tut hier nicht sein übriges, müssten dann doch alle Hobbyschützen potentiell gefährdet sein.

    Was die Therapeuten betrifft…, Tim K. war doch in Behandlung, auch wenn er sie letztlich abbrach. Der Psychiater hatte auch keine Hinweise für einen solchen Ausgang, trotz der vorhandenen Depression. Man kann solchen Leuten leider nicht ins Hirn blicken, wie auch die Vorkommnisse mit Kinderschändern beweist. Wie oft wurden schon welche als “geheilt” von Psychiatern freigelassen und hatten kurz darauf einen Rückfall.

    Bei über 7 Millionen im Privatbesitz befindlichen Waffen gibt es immer noch kein gesamtdeutsches Verzeichnis, bei wem, in welcher Menge und wo welche Art von Waffen lagern. Hier liegt ein Hauptproblem das von Regierungsebene längst gelöst werden müssen.

    Die Angst, dass derartige Vorfälle jeden Tag in jeder Stadt passieren können bleibt. Und das ist es, was gerade Eltern Angst bereitet.

  2. IngoNo Gravatar meint:

    Ich meine, da sind weniger die zuständigen Therapeuten gefragt, denn dafür ist es zu späht. Viel mehr muss man sich die Frage stellen, wie in Zukunft verhindert werden kann, dass jemand in der Art und Weise austickt und andere mit in den Tod reißt. Ich meine, es ist Unsinn, da lange herum zu analysieren, was genau diesen Mensch zu dieser Tat getrieben hat. Fakt ist, dass es ein psychisch labiler Mensch war, der mit seiner Umwelt nicht zurecht gekommen ist. Die Ursache hierfür mag sein, dass er zu schlechte Bedingungen aus dem Elternhaus für eine gesunde psychische Entwicklung vorgefunden hat. Das geht vielen so, wenn die Eltern überfordert sind und das wird man nicht vermeiden können. Jedoch ist für so einen Menschen, der sich aus psychischen Problemen heraus in die Gemeinschaft nicht einfinden kann, die Gemeinschaft selbst gefordert, auch einen scheinbar komischen Vogel, einen seltsamen Typen zu integrieren, bzw. ihn verstehen zu geben, dass er, wie er auch ist, angenommen wird. Jedoch sind meist die Schüler damit überfordert, bzw. können es von sich aus nicht. Da ist auch der Lehrer gefragt, dieses etwas zu lenken. Aber gerade an den höhreren Schulen fühlen sich die meisten Lehrer dafür nicht mehr zuständig, sondern es zählen einzig und allein die Noten, nach welcher ein Schüler beurteilt wird. Und in diesem Fall wurde ja scheinbar dem Schüler von einem Lehrkörper prophezeit, dass er bei der Müllabfuhr landen würden. Ich mag dabei anführen, dass es ein Armutszeugnis für jeden Lehrer ist, wenn er sich zu solchen Äußerungen hinreißen lässt. Denn gerade psychisch labile Menschen sind äußerst sensibel und empfinden es um ein vielfaches verletzender, wenn ihnen so was gesagt wird. Des weiteren können solche Menschen solche Verletzungen schwer verarbeiten. Und solche Äußerungen die darauf abzielen, einen Schüler zu demütigen, sind keine Einzelfälle. Solche Äußerungen, verletzender und demütigender Natur fallen jeden Tag von Lehrern an den Schulen.

    Es ist eine Erklärung, aber keine Entschuldigung! Ich hoffe, dass in der Hinsicht die Sensibilität von Lehrern wie Schüler etwas geschärft würde für die, welche eben irgendwie anders sind, oder komisch und ihnen entgegenkommt und ihnen das Gefühl gibt, dass sie angenommen werden und sie nicht zur Seite schiebt, beleidigt und ihnen das Gefühl gibt, Du bist hier überflüssig. Und es wäre auch wünschenswert, wenn man dazu, wenn nötig, professionelle Hilfe in Anspruch nimmt, als Ergänzung. Denn das Wichtigste ist für jeden Menschen das Gefühl, dazu zu gehören, wichtig für andere zu sein.

  3. IngoNo Gravatar meint:

    Nachtrag:
    Das mit den Gewalt verherrlichten Spielen und Filmen ist, davon bin ich überzeugt, nur eine Begleiterscheinung bei solchen Menschen. Wie ist das denn bei einem normalen Menschen? Ist er verliebt, wird er eher Liebesfilme schauen. War der Tag heute so langweilig und hat jemand noch einen geärgert, ist es einem eher nach einem Spannenden Aktion-Thriller. Und ist man über alle Maßen frustriert und verärgert, schaut man sich eher einen Film an, in dem einer alle die bösen Fertig macht.
    Und wenn so ein Mensch durch seine Umgebung nur Verachtung und Ablehnung wahrnimmt, dann wird er sich hauptsächlich auch nur solche Filme anschauen, an denen er sich mit der Person im Film indentifizieren kann, die alle fertig macht, weil sie IHN fertig machen wollen. Da werden passiv Agressionen ausgelebt, die aus der Frustration und Traurigkeit entstehen. Sie sind aber niemals Ursache, sonder Folge. Natürlich ist es einfacher für die Gesellschaft, die Schuld bei den Filmen zu suchen, oder bei den Computerspielen, in welche man aktiver Agressionen leben kann. In der Regel mussten früher dafür Tiere herhalten. Es ist auch unbequem, sich mit so einem eigenartigen Typ zu beschäftigen. Das schiebt man lieber an einen Psychiater ab, bzw. einen Psychologen. Seelische Krankheiten sind in der Gesellschaft nach wie vor ein Thema, dessen man scheut. Und ohnehin wäre es der gesellschaftliche Tod, wenn einer sagen würde: Ich habe psychische Probleme, bitte helft mir ein wenig! Solche Leute werden gemieden. Und genau das ist falsch. Genau das Gegenteil brauchen sie, zum gesund werden oder einfach nur zum überleben, bzw. das Leben zu ertragen. Dann kann auch ein leichtsinniger waffenvernarrter Vater nachlässig seine Waffe zugänglich unterbringen. Denn wenn jemand aus so viel Wut plant, seine Mitmenschen mit den Tod zu bestrafen, der braucht kein Vater mit einer zugänglichen Waffe. Er hat dann schwerer, ja. Aber wenn er eine Waffe will, bekommt er die, garantiert.

  4. IngoNo Gravatar meint:

    Nochmal ein Nachtrag: zu Thomas
    Es ist überhaupt nicht notwendig, jemand ins Hirn zu schauen zu können. Gut, bei pädophilen Verbrechern ist es ein eigenes Thema für sich, was für mich als nicht nachvollziehbar darstellt. Ich weiß nur, dass die meisten Pädophilen selbst Opfer von sexuellen Mißbrauch waren. Aber um das geht es hier ja nicht. Es geht eher nicht darum, dann man diesen Menschen nicht ins Hirn schauen kann, sondern vermehrt – heute mehr als früher – um die Unfähigkeit den anderen in die Seele schauen zu können. Das Mitfühlen, das Mitempfinden, das sich in einen anderen hinein versetzen. Gerade bei jungen Menschen ist diese Fähigkeit in einem erschreckenden Maße verkümmert. Es geht im Prinzip nur um eine ganz banale Sache: Was fühle ich bei dem, wenn der mir so was sagt. Was könnte der andere Fühlen, wenn ich ihm dies sage. Was Du sagst, hat mich verletzt. Da geht es um Gefühle, um meine und um die des anderen. Das ist heute mega out, oder nicht? Ein starker Mann hat keine Gefühle! Was? Ich habe dich verletzt?! Bähhh, heulst Du jetzt gleich, oder was? Geh doch zu Deiner Mami!!!
    So schaut es nämlich heute aus. Das ist die grausame und kalte Realität. Und diese Leute leiden selbst unter diesen Gefühls-Defiziten, jedoch merken Sie es selbst oft nicht. Sie haben selbst großen Frust in sich, sind unglücklich und leben Ihren Frust dahingehend aus, indem sie schwächere Hänseln, weil sie ein Gefühl der Stärke erleben, die ihre eigentliche Schwachheit kaschieren soll. Da geht es um ein völlig falsch verstandenes Rollenbild des Mannes. Jedoch wird sich daran in naher Zukunft nichts ändern und ich bin überzeugt davon, dass dieser Amok-Lauf nicht der Letzte war, weil die Dinge so liegen und so bleiben. Es bleibt ein schöner Traum, dass sich diese Einsichten in Windeseile verbreiten und die Schulen erträglicher werden und daher auch das eigentliche Potenzial jeden Schülers entfaltet. Wo gibt es denn noch das in einem Klassenzimmer: Eine Atmosphäre von gegenseitigen Respekt, Hilfsbereitschaft und Vertrauen?

Schreibe Deinen Kommentar

XHTML: Folgende TAGS sind gültig: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong> <pre lang="" line="" escaped="" highlight="">